Italien-Wahl: EU-Gegner Grillo könnte Euro-Ende einleiten

 Italien-Wahl: EU-Gegner Grillo könnte Euro-Ende einleiten

 |  Veröffentlicht: 23.02.13, 16:47  |  Aktualisiert: 23.02.13, 17:11  |  116 Kommentare

Bis zu 20 Prozent könnte Beppe Grillo mit seinem Anti-EU-Partei bei der italienischen Parlamentswahl gewinnen. In Brüssel herrscht Panik: Ein derartiger Wahlerfolg könnte den Anfang vom Ende der Euro-Zone bedeuten.

Silvio Berlusconi konnte dank seiner Medien-Armada und mit markigen Sprüchen gegen Angela Merkel („DDR-Bürokratin“ – hier) viel öffentliche Aufmerksamkeit im italienischen Wahlkampf auf sich ziehen. Sein Zweikampf mit dem Goldman-Premier Mario Monti (Wolfgang Schäuble: „Wählt ihn!“ – hier) ist allerdings nur ein Nebenkriegsschauplatz. Monti ist besonders schwach: Bei Umfragen erreichte seine Partei gerade mal fünf Prozent.

Für den Politologen Roberto D’Alimonte ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Bewegung des früheren EU-Kommissars Monti in einigen Regionen nicht unter die Acht-Prozent-Hürde fällt, damit sie mit den Linken eine Koalition mit den Sozialisten unter Bersani eigehen kann: „Davon hängen die Zukunft Italiens und der Euro-Zone ab“, sagte D’Alimonte der Nachrichtenagentur Reuters.

Die größte Gefahr für die EU geht von Beppe Grillo aus. Der Comedian („Dieses wunderbare Land stirbt!“ – hier) hat sich längst zu einem der populärsten Politiker in Italien entwickelt. Zu seiner Abschlusskundgebung fanden sich in Rom 800.000 Fans ein, wie Grillo auf seinem Blog schreibt. Die Polizei sagt, es sei eine halbe Million gewesen.

Grillo fährt mit seinem „Movimento 5 stelle“ (M5S) einen kompromisslosen Kurs: Er wettert gegen die Korruption, gegen die Machenschaften der Finanzindustrie und gegen die Verflechtung von Banken und Politik. Der Crash der ältesten Bank Italiens, der Monte dei Paschi di Siena war die beste Wahlkampfhilfe für Grillo: Der Skandal zeigte, dass die Beherrschung einer Bank durch eine Partei – in diesem Fall die sozialistische PD – zwangsläufig zum Fiasko führen muss (hier).

Der größte Feind Grillos ist jedoch die EU. Er lehnt den Euro ab und macht Brüssel dafür verantwortlich, dass die Italiener ihrer Würde beraubt wurden. Wenn Grillo tatsächlich 20 Prozent gewinnt, kann Berlusconi nicht Ministerpräsident werden, weil er dann hinter Grillo nur auf den vierten Platz käme.

Das alte Establishment spart daher nicht mit apokalyptischen Vorhersagen. Der ehemalige Finanzminister Franco Frattini sagte dem französischen Figaro: „Es wäre eine Tragödie, wenn Grillo so stark wird. Dies würde bedeuten, dass die europäische Idee in Italien gescheitert ist.“

Zwar waren Grillos harte Töne bisher nur Worte. Im offiziellen Parteiprogramm findet sich – noch – nicht der Aufruf zu einem Referendum über den Verbleib in der EU.

Aber mit 100 Abgeordneten im italienischen Parlament wäre der Anti-EU-Trend so stark, dass keine andere es wagen würde, einen von Monti geforderten, vorbehaltlos unkritischen Pro-EU-Kurs zu fahren. Das hat man in Großbritannien gesehen: Nur einen Tag nach der ersten Umfrage zum EU-Referendum, in der sich zeigte, dass nur ein Drittel der Briten in der EU bleiben wollen, schwenkten bisher loyalen Brüssel-Fans von den Sozialisten um und forderten eine radikale Reform der Union.

Grillos Anti-Establishment-Linie findet großen Anklang bei den Wählern. Wie in anderen Ländern (außer in Deutschland – hier) gibt es eine große Gruppe von Wählern, die das korrupte System nicht mehr wollen. „Wir haben viele Leute als Unterstützer, die seit Jahren nicht mehr gewählt haben. Das ist die letzte Chance Italiens für eine friedliche Revolution“, sagte ein Grillo-Anhänger der FT.

Brüssel träfe eine friedliche Revolution unvorbereitet: Denn die Umwandlung der EU zu einem durch und durch zentralistischen, undemokratischen Bürokraten-Verbund dauert Zeit. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn diese Entwicklung ausgerechnet von einem Komödianten aus Italien gestoppt wird.

Kommentare:

  • Rhyskant sagt:

    Nein..noch kein Marsch auf Berlin…Fluten wir die Abgeordneten…sagen wir Ihnen, dass wir sie zuhause aufsuchen…und ihreAnschriften den Betroffenen preisgeben…dann dürfen sich diese Luschen mit dem Volk auseinandersetzen…dahaben die dann mal Spass!

  • Marcus Junge sagt:

    Nicht das da Gladio demnächst beim Grillo erscheint und Fallschirmsprung / Fehrt mit dem Phaeton / Badewanne oder Waldspaziergang tödlich enden läßt.

    Oder solche statistischen Unmöglichkeiten, wie zwei Dutzend tote Zeugen beim Dutroux Prozeß in Belgien, die alle unter völlig “natürlichen” Umständen nicht lebend in den Gerichtssäalen ankamen.

    In der EudSSR gibt es da alle bekannten und beliebten Mittel und Wege, um unliebsame Personen zu entsorgen, ohne daß deswegen je einer verurteilt würde, oder auch nur wirklich ermittelt wird. Im Zweifelsfall war es dann die NSU und die Akten beim Verfassungsschutz hat die Putze geschreddert.

    Aktuelle Verlinkung: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-wisnewski/gladio-skandal-um-geheime-nato-killer-enthuellt.html

  • Thomas Arends sagt:

    “”  Der ehemalige Finanzminister Franco Frattini sagte dem französischen Figaro: „Es wäre eine Tragödie, wenn Grillo so stark wird. Dies würde bedeuten, dass die europäische Idee in Italien gescheitert ist.“ “”

    Es würde Bedeuten…???

    Es ist klar, dass die Idee gescheitert ist.

    Und wieso ist es eine Tragödie, wenn ein Land sich anders entscheidet als die Politiker es gerne hätten?

    Wie war da was von demokratur?

  • J.J.Rousseau sagt:

    Halleluja – gelobt sei der Namen des Herrn. PS. Das Ende der EU ist bereits im Gange – die Maden wollten es so, nicht das Wahlvolk – direkte Demokratie hätten die EU ja nie zugelassen.

  • Markus sagt:

    Seh ich Deutschland in der Nacht,
    bin ich um den Schlaf gebracht!

    LIEBES AUSLAND, IHR SEID UNSERE HOFFNUNG FÜR DIESES AUSGEMERKEKLTE LAND! WÄHLT IN UNSEREM INTERESSE!

  • Sepp sagt:

    Interessant, in Norwegen war auch ein Kabarettist der die Gender-Scharlatanerie aufgedeckt hat. Die Regierung hat darauf hin das Institut für Genderstudien schliessen müssen, der über einen Bürget von 60 mio Euro verfügte. Offensichtlich brauchen wir Klartext um zu verstehen was um uns herum passiert. Immerhin, langsam wachen wir auf. Mille grazie, Bepe!!!!!

  • Lilly sagt:

    Zitat: “Wenn Grillo tatsächlich 20 Prozent gewinnt, kann Berlusconi nicht Ministerpräsident werden, weil er dann hinter Grillo nur auf den vierten Platz käme.”

    Die Prognose fällt eher so aus:

    Platz 1, Bersani mit der PD
    Platz 2, Grillo mit “5 Sterne”
    Platz 3, Berlusconi mit der PDL

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