Coronavirus aus dem Labor?

Entstand das Coronavirus SARS-CoV-2 in einem Labor? Experten widersprechen.

Faktencheck: Coronavirus aus dem Labor? Warum das nicht plausibel ist

Immer wieder behaupten Verschwörungstheoretiker, die Coronavirus-Pandemie sei bewusst ausgelöst, das Virus selbst im Labor gezüchtet worden. Ist da etwas dran?

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Die Hypothese kam fast zeitgleich mit dem Erreger auf: Seit Monaten kursiert die Behauptung, das Coronavirus SARS-CoV-2 sei gar nicht natürlichen Ursprungs, sondern menschengemacht – als eine Art Biowaffe.

Behauptung: Das Coronavirus sei ein Produkt aus dem Labor, glaubt einer Umfrage zufolge fast jeder dritte US-Amerikaner. Ein Großteil von ihnen meint sogar, der Erreger sei absichtlich gezüchtet worden.

Bewertung: Wissenschaftler halten das für nicht plausibel.

Fakten: Zwar fehlen noch immer abschließende Erkenntnisse, wie sich der Mensch genau mit SARS-CoV-2 angesteckt hat, nach seinem Auftauchen war aber schnell klar: Der Erreger ist ein Typ aus der seit Jahrzehnten bekannten Gruppe der Coronaviren. Schon lange wissen Experten, dass diese hochvariablen Viren zwischen Tieren und vom Tier auf den Menschen überspringen können.

Experten untersuchten gezielt, ob das Virus im Labor entstanden sein könnte

Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Fortschritte: Mitte März veröffentlichten Forscher um den schwedischen Mikrobiologie-Professor Kristian Andersen ihre Analyse der Coronavirus-Familie. Darin ging das Team gezielt der Frage nach, ob das Virus künstlich hergestellt worden sein könnte.

Dazu untersuchten sie die Spike-Proteine, die aus der Virus-Oberfläche herausragen. Diese Stacheln nutzt der Erreger, um an eine Wirtszelle in Lunge oder Rachen anzudocken und in sie einzudringen.

Die Untersuchung zeigte zwei wichtige Unterschiede zwischen SARS-CoV-2 und seinen Verwandten: Vereinfacht gesprochen hat das Protein einen abweichenden Aufbau und eine andere Zusammensetzung seiner Aminosäuren.

Die Forscher betonen, anhand der untersuchten Merkmale könne das neue Virus zwar besonders leicht menschliche Zellen befallen. Allerdings sei das Ganze nicht so optimal gestaltet, wie man es von einer künstlich hergestellten Biowaffe erwarten würde. „Dies ist ein starker Beweis dafür, dass SARS-CoV-2 nicht das Produkt einer gezielten Manipulation ist“, heißt es in der Analyse.

Zudem sei es überhaupt nicht nachvollziehbar, warum man SARS-CoV-2 aus einem bislang für Menschen harmlosen Virus entwickelt haben sollte und nicht aus lange bekannten gefährlichen Corona-Verwandten wie MERS oder SARS. Die Wissenschaftler halten ein Labor-Szenario daher für nicht plausibel.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Für Forscher kommt nur natürliche Übertragung infrage

Für sie kommt nur eine natürliche Übertragung auf den Menschen infrage: Entweder könnte das Virus direkt von Fledermäusen übergesprungen sein oder einen tierischen Zwischenwirt genutzt haben.

Noch unklar ist aber, ob SARS-CoV-2 schon davor so mutierte, dass es leichter an menschliche Zellen andockt – oder erst später, als es womöglich bereits unerkannt unter den Menschen zirkulierte.

Nicht nur die Forscher aus Schweden, auch der Berliner Virologe Christian Drosten und mehr als zwei Dutzend weitere Forscher und Wissenschaftlerinnen lehnen in einem Artikel von Anfang März die Theorie des Labor-Ursprungs strikt ab.

Chinas Behörden sehen es als wahrscheinlich an, dass die Virenverbreitung von dem Verkauf der Wildtiere auf dem Huannan-Markt in der als erstes betroffenen Millionen-Metropole Wuhan ausgegangen ist. Viele der ersten Fälle der Infektionen wurden auf diesen Markt zurückgeführt.

Eine weitere Studie chinesischer Wissenschaftler hält es allerdings für möglich, dass der Markt nicht die originäre Quelle war, sondern das Virus von anderswo dorthin geschleppt worden ist. (dpa/ank)

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Krise verpennt? Bundesregierung wurde bereits 2012 vor Pandemie gewarnt!!

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn trägt Mit-Verantwortung für Versorgungsengpässe bei Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln in Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie. Ein entsprechendes Risiko-Papier präsentierte die Bundesregierung bereits 2013.

Krise verpennt? Bundesregierung wurde bereits 2012 vor Pandemie gewarnt

Das Robert-Koch-Institut skizzierte auf Grundlage der Erfahrungen mit den Coronaviren SARS und MERS bereits 2012 ein Pandemie-Szenario. Es ist nun praktisch genau so eingetreten. Deutschland hätte genügend Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten.

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Vielen Bundesbürgern fällt angesichts der Coronakrise vor allen Dingen auf, dass es Deutschland als einem der reichsten Länder weltweit plötzlich an so elementaren Dingen wie Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln mangelt.

Es scheint, als sei die derzeitige Pandemie aus dem Nichts über das Land hergefallen. Die Warnung vor dem momentanen Ausnahmezustand aber ist bereits acht Jahre alt.

Bericht im ZDF über Risikoanalyse rüttelt viele Bürger wach

Das ZDF-Polit-Magazin „Frontal21“ berichtete am 24. März 2020 von einer wissenschaftlichen Analyse, die inzwischen auch in den sozialen Netzwerken die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Aus dem „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“ geht hervor, dass die Bundesregierung seitdem von den Gefahren einer Pandemie wusste.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) und weitere Behörden spielten das Szenario einer Pandemie durch. Es ging um eine theoretische Analyse, ausgehend von früheren Seuchengeschehen.

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Erfahrungen mit den Coronaviren SARS und MERS

In den Jahren 2002 und 2003 waren in 30 Ländern weltweit mehr als 8.000 Menschen an der Atemwegserkrankung SARS erkrankt. Knapp 800 Patienten starben.

2012 ging von der arabischen Halbinsel das Coronavirus MERS aus. Ende Februar 2020 waren der Weltgesundheitsorganisation WHO 2.519 Erkrankte und 866 Tote aufgrund einer Ansteckung mit dem MERS-Virus bekannt.

Am 3. Januar 2013 veröffentlichte der Bundestag das erwähnte Ergebnis zweier Risikoanalysen. Diese geben einen Überblick, welche Ereignisse mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreten – und wie groß der zu erwartende Schaden ist.

„Außergewöhnliches Seuchengeschehen“ wurde vorhergesehen

Eine der Analysen bezieht sich auf eine Pandemie durch den Erreger „Modi-SARS“. Das Szenario beschreibe ein „außergewöhnliches Seuchengeschehen“, so der Bericht. In dessen Zuge käme es auch zu Versorgungsnot im medizinischen Bereich. „Die Industrie“ könne, so heißt es in dem Bericht von 2012, „die Nachfrage nicht mehr vollständig bedienen.“ Es entstünden „Engpässe“.

Thomas Rauch, Geschäftsführer des Verbands Hygiene und Oberflächenschutz, will erst im Gespräch mit dem „Frontal21“-Autoren Andreas Halbach von der Existenz des Papiers von 2012 erfahren haben. „Ich kannte es nicht. Davon bin ich überrollt worden.“ Den ersten Kontakt mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe es erst Mitte März 2020 gegeben.

Chinesen kauften Schutzausrüstung aus Deutschland zurück

Auch die Warnung Achim Theilers verhallte bei Spahn. Der Geschäftsführer der Franz Mensch Gmbh, eines des führenden Produzenten von Hygiene- und Schutzartikeln, schrieb am 5. Februar 2020 den Minister per E-Mail an. Darin wies er unter anderem darauf hin, dass 97 Prozent der Weltmarktproduktion von Hygiene- und Schutzartikeln aus China stamme. Von dort, wo das Coronavirus im Dezember 2019 ausbrach. Nun würden diese Artikel dort dringend benötigt und deshalb in Deutschland wieder aufgekauft.

Theiler forderte von der Bundesregierung, bezüglich der Ausstattung des medizinischen und des Pflegepersonals „vorzeitig“ zu planen. „Der Brand lief schon. Und man hat sich weiterhin mit dem Erklären des Brandes beschäftigt, anstatt darüber nachzudenken, wie man löscht.“

Das im Szenario von 2012 beschriebene „Modi-SARS“ ist hypothetisch, hat jedoch realistische Eigenschaften. Es handelt sich, wie beim nun aufgetretenen Sars-CoV-2, um ein Coronavirus.

Die Begründung für diese Annahme: „Die Wahl eines SARS-ähnlichen Virus erfolgte unter anderem vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat.“

Spahn und Wieler haben sich getäuscht

Genau das erlebt im Frühjahr 2020 auch Deutschland. Dies hängt auch mit Fehleinschätzungen aus berufenem Mund zusammen. So sagte Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, am 21. Januar 2020: „Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich das Virus nicht sehr stark auf der Welt ausbreitet.“

Eine Woche später stand Wieler an der Seite des Ministers Spahn, als dieser im Rahmen einer Pressekonferenz noch immer beruhigte: „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch diese neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach unserer Einschätzung weiterhin gering.“

Dabei hatte drei Tage zuvor die Weltgesundheitsorganisation die Gefahr einer weltweiten Verbreitung des SARS-CoV-2 bereits als hoch eingestuft.

Im Bericht von 2012 heißt es, es sei „in der Praxis nicht vorhersehbar, welche neuen Infektionskrankheiten auftreten, wo sie vorkommen werden und wann dies geschehen wird.“

Trotzdem sagte Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, im Bericht bei „Frontal21“, er sei „erstaunt. Ich hätte es mir gar nicht vorstellen können, dass wir tatsächlich so unvorbereitet sind.“ (hau/dpa)

In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Halbsatz, „dass die Bundesregierung seitdem von der aktuellen Corona-Pandemie wusste“, geändert.

Weißes Haus befürchtet laut Prognose bis zu 240.000 Tote

Immer wieder hat der Präsident erklärt, das Coronavirus sei in den USA unter Kontrolle. Davon spricht er selber längst nicht mehr. Umgestimmt hätten ihn Prognosen mit Todeszahlen wie „in Weltkriegen“. Nun bereitet Trump die Amerikaner auf harte Zeiten vor. Das Weiße Haus geht in einer Prognose von bis zu 240.000 Toten aus. (Teaserbild: imago images/UPI Photo)