Missouri verklagt China

Demonstranten während eines Drive-by-Protests in Clayton, Missouri, am Dienstag. Sie demonstrierten gegen die Schließung von Geschäften in Missouri wegen der Coronavirus-Pandemie.

US-Bundesstaat Missouri verklagt China wegen der Corona-Ausbreitung

Der US-Bundesstaat Missouri wirft Peking vor, für die Todesfälle sowie die wirtschaftlichen Einbußen in den USA verantwortlich zu sein. Mehrere republikanische Senatoren fordern nun von US-Präsident Trump, juristische Schritte gegen das Reich der Mitte anzustreben.

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Der US-Bundesstaat Missouri hat China wegen der Coronavirus-Pandemie verklagt. Die bei einem US-Gericht eingereichte Klage wirft unter anderen der Regierung und der Kommunistischen Partei in Peking vor, für die Todesfälle sowie die wirtschaftlichen Einbußen durch das Virus auch in dem US-Bundesstaat verantwortlich zu sein. Medienberichten zufolge hat die Klage allerdings wenig Aussichten auf Erfolg, da China als souveräner Staat geschützt sei.

Missouri fordert von China Entschädigung

COVID-19 hat Ländern auf der ganzen Welt irreparablen Schaden zugefügt und Krankheit, Tod, wirtschaftliche Beeinträchtigungen und menschliches Leid verursacht“, schrieb Missouris republikanischer Justizminister Eric Schmitt am Dienstag (Ortszeit). Mit der Klage solle von China eine Entschädigung erreicht werden.

Die chinesische Regierung habe die Welt bezüglich der Gefahren des Coronavirus belogen, Whistleblower zum Schweigen gebracht und wenig getan, um die Ausbreitung zu verhindern, schrieb Schmitt weiter. China sei somit verantwortlich, „eine globale Pandemie verursacht zu haben, die unnötig und vermeidbar war“. In Missouri im Mittleren Westen der USA sind bislang mehr als 6000 Corona-Infektionen und rund 220 Tote durch die Lungenkrankheit COVID-19 gemeldet worden.

Experte sehen Klage skeptisch – Republikaner fordern Trump zum Handeln auf

Die Rechtsprofessorin Lea Brilmayer sagte dem Sender NPR, die meisten Richter in den USA kämen vermutlich zu dem Schluss, dass sie keine Zuständigkeit hätten für einen juristischen Streit zwischen einem US-Bundesstaat und einer souveränen Nation. Eine Gruppe von 22 republikanischen Abgeordneten hat Präsident Donald Trump aber inzwischen aufgefordert, wegen der Pandemie gegen China vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu ziehen.

Trump selbst hat China für die weltweite Verbreitung des Coronavirus verantwortlich gemacht. Er hatte auch einen vorübergehenden Stopp der US-Beitragszahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst. Der Präsident macht die Organisation für die vielen Toten mitverantwortlich und wirft ihr vor, die Pandemie mit Missmanagement und Vertrauen auf Angaben aus China verschlimmert zu haben. Kritiker werfen Trump dagegen vor, vor der Präsidentenwahl im November von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. (mgb/dpa)

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Maskenpflicht wird kommen

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  • 12:04 Uhr: Maas: Keine „normale Urlaubssaison“ in diesem Sommer möglich
  • 10:16 Uhr: Reproduktionszahl steigt wieder an – Virologe warnt vor Konsequenzen
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Bund will Öffnung von Geschäften bis 800 Quadratmeter ermöglichen

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  • 12:22 Uhr: Deutschland hat bisher 80 Millionen medizinische Masken erhalten
  • 11:11 Uhr: Deutschland verlängert Grenzkontrollen
  • 10:19 Uhr: Bund spricht sich für Verlängerung der Kontaktbeschränkungen aus
  • 08:30 Uhr:RKI gibt neue Fallzahlen bekannt: 127.584 Infizierte in Deutschland
  • 07:15 Uhr: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verzichtet auf einen Teil ihres Gehalts
  • 04:59 Uhr: US-Präsident Trump dreht WHO den Geldhahn zu

Ausbreitung Covid-19

Arbeiter mit Disinfektionsmasken vor einem Krankenhaus in Miami.

Deshalb konnte sich COVID-19 weltweit ausbreiten

Während das Coronavirus binnen weniger Wochen weite Teile der Welt lahmgelegt hat, konnte der bisher größte Ausbruch von Ebola in den Jahren 2014 und 2015 in Westafrika eingedämmt werden. Warum konnte COVID-19 zur Pandemie werden?

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2014/2015 kam es in Westafrika zur bis dato größten Ebolafieber-Welle seit der Entdeckung im Jahr 1976. In den Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia war die Ansteckungsrate besonders hoch. Insgesamt erkrankten rund 28.000 Menschen, 11.000 starben. Anders als das Coronavirus konnte das Ebolafieber sich nicht weltweit ausbreiten. Einen offiziell zugelassenen Impfstoff gab es damals nicht, ebenso keinen bekannten virenhemmenden Stoff. Behandelt wurde symptomatisch – so auch bei COVID-19.

Und das, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst nach langem Zögern im August 2014 den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hatte. Dieser ermöglichte international koordinierte Maßnahmen gegen die Ausbreitung der oft tödlich verlaufenden Viruserkrankung.

In den USA wurden lediglich vier Erkrankungen und ein Todesfall gemeldet, in Italien zählte man eine Infektion, ebenso im Vereinigten Königreich und in Spanien.

Auch in Afrika trat das Ebolafieber laut Robert-Koch-Institut bis heute ausschließlich in Ländern südlich der Sahara auf. Im März 2016 wurde die „Gesund­heit­li­che Notlage von internationaler Tragweite“ von der WHO für beendet erklärt.

Ebolavirus – Sterblichkeit und Übertragung

Die Sterblichkeitsrate bei Ebola liegt je nach Virusvariante mit 30 bis 90 Prozent und damit weit über der Letalität (Tod nach einer Erkrankung) von SARS-CoV-2, bei dem die Sterblichkeitsrate je nach Land stark variiert.

Übertragen werden Ebolaviren …

  • … über den direkten Körperkontakt zum Erkrankten oder Verstorbenen, hauptsächlich über Körperflüssigkeiten
  • … über einen gewissen Zeitraum über kontaminierte Gegenstände oder Flächen
  • … über infiziertes Fleisch oder der Kontakt mit infizierten Tieren, insbesondere über den Verzehr von Wildtieren, sogenanntem Buschfleisch
  • Außerdem können nach der Genesung eines Erkrankten Ebolaviren über Monate hinweg im Sperma überleben und ansteckend sein

Anders als COVID-19, ist das Ebolafieber von Mensch zu Mensch erst ansteckend, sobald Krankheitssymptome auftreten. Zwar verläuft das Ebolafieber oft tödlicher als das Coronavirus, dafür ist es weniger ansteckend. Eine Übertragung durch die Luft ist nicht bekannt. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass COVID-19 nicht nur durch die Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten, sondern bereits über die Atemluft übertragen werden kann.

Dafür, dass die Ebolafieber-Epidemie 2014 sich nicht weltweit ausbreitete, gibt es weitere Gründe. Die schwache Vernetzung der armen westafrikanischen Länder mit anderen Teilen der Welt zum Beispiel. Das Virus breitete sich über den Landweg von Guinea aus in die angrenzenden afrikanischen Länder. Weiter konnte die für den Ausbruch verantwortliche Virusspezie Zaire-Ebolavirus nicht kommen.

Auch, weil zahlreiche Länder den westafrikanischen Staaten im Kampf gegen das Virus beiseite standen. Deutschland etwa leistete direkte Zahlungen an die WHO und unterstützte Hilfsorganisationen vor Ort. Zudem wurden medizinische Experten des Robert Koch-Instituts und des Bernhard-Nocht-Instituts in die Krisenregionen entsandt und Forschungsprojekte zur Entwicklung eines Impfstoffes gefördert. Das neue Coronavirus hatte idealere Voraussetzungen für die Ausbreitung als das Ebolavirus.

Coronavirus – von Wuhan in die Welt

Im Dezember 2019 wurde der erste COVID-19-Fall in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan bekannt. Das weit ausgebaute Transportsystem über Land, Wasser und Luft macht die fünftgrößte Stadt Chinas zu einem Knotenpunkt für den nationalen und internationalen Reiseverkehr. Internationale Unternehmen produzieren in der Region. Durch den regen Reiseverkehr konnte sich das Coronavirus schnell weltweit verbreiten.

Die Warnungen vor einer SARS-ähnlichen Viruserkrankung durch den chinesischen Arzt Dr. Li Wenliang im Dezember 2019 wurden offenbar durch die lokale Regierung unterbunden, wie unter anderem BBC berichtet. Damals wusste der mittlerweile selbst an den Folgen einer Corona-Infektion verstorbene Mediziner nicht, dass es sich um ein neues Coronavirus handelte, vor dem er seine Kollegen warnen wollte.

Auch in den USA konnte sich das Virus rasant ausbreiten. Auch, weil Schutzmaßnahmen erst schleppend eingeleitet wurden. Am 2. Februar 2020 verkündete Präsident Donald Trump: „Wir haben das, was aus China kommt, so ziemlich ausgeschaltet.“ Ende März hieß es dann: „Wenn wir zwischen einhundert- und zweihunderttausend Tote haben, dann haben wir alle zusammen gute Arbeit geleistet.“ Am 7. April zählt die John Hopkins University 368.449 bestätigte COVID-19-Infektionen in den USA.

Medikamente gegen Ebola und Malaria zur Behandlung von COVID-19?

Als Heilmethode setzt Trump auf ein Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Malaria entwickelt wurde – trotz fehlender klinischer Studien. Doch auch während der Ebolafieber-Welle im Jahr 2014 wurden Medikamente experimentell verabreicht, oft mit Erfolg und abgesegnet durch die Ethiker der WHO. Mittlerweile wurde der bereits zum Ende der Ebolafieber-Epidemie verabreichte Impfstoff rVSV-ZEBOV auch in der EU zugelassen.

Könnten Medikamente zur Behandlung von Ebola auch bei COVID-19-Patienten zum Einsatz kommen? In Deutschland darf in Einzelfällen das noch nicht zur Behandlung von SARS-CoV-2 zugelassene Ebola-Medikament Remdesivir verabreicht werden. Handfeste klinische Belege für die Wirksamkeit von Remdesivir gibt es laut der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) noch nicht. Zudem sei die Wirkung des Medikaments auf die Leberfunktion unklar. Bedenklich sei die Verabreichung auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Klarheit soll jetzt eine klinische Studie in Deutschland verschaffen. Denn: Trotz der Nebenwirkungen konnten bereits gute therapeutische Ergebnisse erzielt werden. Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie der Uniklinik Köln, nannte das Ebola-Medikament im Gespräch mit dem Radiosender Deutschlandfunk als eins der „vielversprechendsten Medikamente“ zur Behandlung von COVID-19. Aktuell werden europaweit vier Medikamente in klinischen Tests erprobt. Erste Ergebnisse könnten bereits im April vorliegen.

Quellen:

RKI veröffentlicht App: Soll Aufschluss über Verbreitung des Virus geben

Das Robert-Koch-Institutes (RKI) stellt die „Corona-Datenspende“-App kostenlos zum Download zur Verfügung. Mithilfe der App soll die Verbreitung von bestimmten Symptomen erfasst werden. Diese übermittelt zwar Vitaldaten, aber keinerlei persönliche Daten, wie Name oder Adresse des Nutzers.

Frankreich: 588 Tote innerhalb von 24 STD

Frankreich: 588 Tote innerhalb von 24 Stunden

21:40 Uhr: In Frankreich ist die Zahl der Covid-19-Opfer weiter drastisch angestiegen. Innerhalb von 24 Stunden seien 588 neue Todesfälle gemeldet worden, sagte Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon am Freitagabend in Paris. Seit dem 1. März seien mindestens 6.507 infizierte Menschen gestorben, davon 5.091 im Krankenhaus, 1.416 in Altenheimen und anderen sozialen Einrichtungen. Auch die Zahl der Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, ist von knapp 6.400 auf 6.662 angestiegen, 35 Prozent seien unter 60 Jahren, wie er erklärte.

Corona Trump — schon angekommen

Donald Trump bei einer Ansprache über den Coronavirus.

Trump in der Coronakrise: „Er muss jetzt Führungsqualitäten zeigen“

Der US-Präsident verbreitet am liebsten positive Nachrichten über sich und sein Land. Die Corona-Pandemie passt ihm da schlecht ins Konzept. Christoph Haas, Politikwissenschaftler an der Universität Freiburg, erklärt im Interview mit unserer Redaktion, warum die Einschränkung des öffentlichen Lebens Trump so schwerfällt und wie die Amerikaner das Krisenmanagement ihres Präsidenten bewerten.

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Erst tat er das Coronavirus als Erfindung der Demokraten ab, dann erklärte er ihm den Krieg. Erst wollte er die massiven Beschränkungen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens so schnell wie möglich wieder aufheben, jetzt hat er sie doch verlängert: US-Präsident Donald Trump fährt in der Corona-Krise bisher einen Schlingerkurs.

Herr Haas, erkennen Sie bei Donald Trump inzwischen eine Linie im Umgang mit dem Coronavirus?

Christoph Haas: Offenbar ist er jetzt in der Realität angekommen. Neueste Zahlen zeigen, dass das Virus in den USA desaströse Spuren hinterlässt – das scheint er begriffen zu haben. Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus hat er bis zum 30. April verlängert.

Warum tut sich Trump so schwer mit einer entschiedenen Bekämpfung des Virus?

Das hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Die USA sind für ihn zunächst die größte Nation von allen – und das liegt in seiner Wahrnehmung auch an ihm selbst. Das Coronavirus ist da ein Störfaktor. Außerdem wirft die Präsidentschaftswahl im Herbst ihre Schatten voraus.

Trump will den Wählern ein gutes Gefühl geben – mit dem Virus und seinen wirtschaftlichen Folgen fällt das schwer. Er hat meiner Einschätzung nach nicht begriffen, dass ein Präsident nicht dazu da ist, immer nur gute Nachrichten zu verbreiten. Er muss auch in Krisensituationen gut reagieren.

Glauben Sie, dass ihm das gelingt?

Es kommt jetzt viel darauf an, wie er mit dieser Krise weiter umgeht. Beim Hurricane Katrina 2005 hat der damalige Präsident George W. Bush zu spät reagiert – was ihn stark an Ansehen und Zustimmung kostete. Andererseits kann eine Krise auch für Trump eine Chance sein, um Führungsqualitäten zu zeigen.

Live-TickerCoronavirus

Söder fordert europäischen Marshallplan für Zeit nach Coronakrise

Trump scheint jedenfalls mit sich im Reinen zu sein. Er hat sich in einem Tweet dafür gefeiert, dass seine Pressekonferenzen derzeit von mehreren Millionen Amerikanern verfolgt werden. Wie beurteilt die Bevölkerung seine Arbeit?

Seine Zustimmungswerte sind insgesamt gestiegen. Das ist allerdings in Krisensituationen ein typisches Phänomen. In Umfragen wird deutlich, dass viele Amerikaner die Lage ähnlich sehen wie Trump: Sie wissen nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen.

Einen gewissen Schlingerkurs können viele Menschen daher nachvollziehen. Allerdings sagt in einer Umfrage auch eine Mehrheit von 58 Prozent, dass Trump zu spät auf das Virus reagiert hat.

Seine Anhänger haben bisher immer zu Trump gehalten – egal was er gemacht hat. Gilt das auch jetzt noch?

Im Moment sind die Zustimmungswerte unter den Republikanern noch sehr hoch. Aber natürlich könnte sich das ändern. Wenn eine Katastrophensituation den eigenen Landkreis oder die eigene Stadt trifft, werden sich auch republikanische Wähler überlegen, ob Trumps Antworten noch zur Realität passen.

Einige republikanische Gouverneure wie Mike DeWine in Ohio und insbesondere Larry Hogan in Maryland haben schon klar gesagt: So geht das nicht, wir brauchen ein einheitliches Krisenmanagement und der Präsident muss die Richtung weisen.

Wie haben die USA insgesamt auf das Virus reagiert?

Manche Landkreise und Einzelstaaten haben schon im Januar Maßnahmen ergriffen. Da haben sich die Behörden auf die Pandemie vorbereitet, indem sie alte Krisenpläne aus der Schublade geholt und zum Beispiel Schutzmasken geordert haben.

Manche dieser Behörden sagen jetzt: Die Bundesebene in Washington hätte mehr vorangehen müssen. Mit dem Hilfspaket hat sie inzwischen reagiert. Da muss man abwarten, wie die Mittel eingesetzt werden – ob sie da ankommen, wo sie gebraucht werden.

Warum ist diese Pandemie für ein so mächtiges und reiches Land so gefährlich?

Die Amerikaner sind zunächst sehr mobil, deshalb hat so ein Virus in den USA eine große Chance, sich auszubreiten. Wie in anderen liberalen Demokratien kann man zudem nur schwer Maßnahmen wie zum Beispiel in China umsetzen.

Dass Soldaten vor dem Haus stehen und Bürger daran hindern, rauszugehen, ist hier schwer vorstellbar. Man kann Spielplätze und Schulen schließen, aber die persönliche Freiheit massiv einzuschränken, ist in Demokratien nicht so einfach.

Und welche Rolle spielt das Gesundheitssystem?

Was die medizinische Versorgung angeht, sind die Amerikaner eigentlich die Nummer eins der Welt – schon allein, weil sie eine exzellente medizinische Forschung haben.

Auf der anderen Seite sind Dutzende Millionen Menschen ohne Krankenversicherung. Und das könnten noch erheblich mehr werden, wenn die wirtschaftliche Rezession infolge der Covid19-Krise in steigender Arbeitslosigkeit mündet, zumal die Krankenversicherung in vielen Fällen von den Arbeitgebern finanziert wird.

Die fortschrittliche Medizin steht häufig nur denen zur Verfügung, die sie auch bezahlen können. Zudem sieht man in Italien, dass dieses Virus auch ein Gesundheitssystem in einem G7-Staat überfordern kann. Es wird eine spannende Frage, ob sich die Krise in der Gesundheitspolitik niederschlagen wird. Im Wahlkampf wird das sicher eine Rolle spielen.

Könnten die oppositionellen Demokraten von dieser Krise profitieren?

Das Schwierige für die Demokraten ist: Joe Biden ist immer noch nicht als Präsidentschaftskandidat offiziell bestätigt. Weil das Coronavirus grassiert, sind die Vorwahlen in vielen Staaten verschoben. Das spielt Trump in die Karten.

Hinzu kommt, dass Biden aktuell kein politisches Amt hat. Er kann sich zum Beispiel nicht wie ein Gouverneur als Macher und Helfer profilieren. Er kann nur öffentlich sagen, er hätte dieses und jenes anders gemacht.

Dr. Christoph Haas hat an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Politikwissenschaft, Geschichte und Englisch studiert. Er arbeitet am Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre und beschäftigt sich unter anderem mit dem politischen Denken in den USA.

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