Neue Art der Schweinegrippe in China entdeckt – Sorge bei den Forschern

Bild zu Schweinemast
Die Bedingungen in den Schweinemastbetrieben sind für das Virus ideal, um sich schnell zu verbreiten.© imago images/Martin Wagner 

Neue Art der Schweinegrippe in China entdeckt – Sorge bei den Forschern

Aktualisiert am 30. Juni 2020, 16:41 Uhr

Nachrichten über mögliche neue Pandemien kommen in der Coronakrise noch ungelegener als sonst. Wie groß die Gefahr für Menschen wirklich ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Tatsache ist aber: Chinesische Forscher haben in Schweinemast-Betrieben ein neues Influenzavirus ausfindig gemacht, das hochgradig vermehrungsfreudig ist.

In China haben Wissenschaftler eine neue Art der Schweinegrippe entdeckt, die eine Pandemie auslösen könnte. Das Virus mit dem Namen G4 besitze „alle wesentlichen Eigenschaften, um Menschen infizieren zu können“, schrieben die Forscher mehrerer chinesischer Universitäten und des chinesischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung und -prävention in einem am Montag veröffentlichten Artikel in der US-Fachzeitschrift PNAS.

G4 stamme vom H1N1-Virus ab, das 2009 eine Pandemie auslöste.

Schweinegrippe-Virus G4 bei Frettchen hochinfektiös

Für die Studie nahmen Forscher zwischen 2011 bis 2018 30.000 Nasenabstriche von Schweinen in Schlachthöfen in zehn chinesischen Provinzen. Dabei konnten 179 verschiedene Schweinegrippe-Viren isoliert werden konnten. Die meisten davon waren von einer neuen Art, die seit 2016 vermehrt bei Schweinen auftritt.

Anschließend führten die Forscher unter anderem Experimente an Frettchen durch, auf die in Grippestudien zurückgegriffen wird, weil sie ähnliche Symptome wie Menschen aufweisen.

Dabei wurde beobachtet, dass G4 hochinfektiös ist, sich in menschlichen Zellen vermehrt und bei den Frettchen schwerwiegendere Symptome verursacht als andere Viren.

Keine Immunität durch die saisonale Grippe

Tests zeigten auch, dass jegliche Immunität, die Menschen durch die saisonale Grippe gewinnen, keinen Schutz vor G4 bietet.

Den Wissenschaftlern zufolge waren bereits 10,4 Prozent der Schweinehalter infiziert. Auch 4,4 Prozent der Bevölkerung seien dem Virus ausgesetzt gewesen, wie die Forscher durch Antikörpertests herausfanden.

Virus passt sich an Menschen an – erhöhte Pandemiegefahr

Die Hauptsorge der Wissenschaftler ist, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Es sei besorgniserregend, dass sich das Virus an den Menschen anpasse und sich damit das Risiko einer Pandemie beim Menschen erhöht, schrieben die Forscher.

Die Studie sei „eine Erinnerung daran, dass wir ständig dem Risiko des erneuten Auftretens zoonotischer Krankheitserreger ausgesetzt sind und dass Nutztiere, mit denen der Mensch mehr Kontakt hat als mit Wildtieren, als Quelle für wichtige Pandemieviren dienen können“, sagte James Wood, Leiter der Abteilung für Veterinärmedizin an der Universität Cambridge in Großbritannien.

Eine zoonotische Infektion wird durch einen Erreger verursacht, der von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen ist. (hub/afp)

Das zum Jahreswechsel aufgetretene Coronavirus breitet sich rapide aus. Es ist nicht die erste Seuche im 21. Jahrhundert, die sich zu einer örtlich unbegrenzten Pandemie ausbreitet.

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